Nach der langen Zeit in der Gruppe haben wir uns sehr darauf gefreut wieder unabhängig und flexibel reisen zu können. Die Gruppenreise mit dem Overland-Safari-Truck war jedoch trotzdem die beste Entscheidung, die wir treffen hätten können. Denn ohne der Gruppe hätte wir nicht so viele afrikanische Länder bereist und wir haben auch Freunde fürs Leben gefunden – dafür sind wir sehr dankbar.
Um Kapstadt gleich ein bisschen kennen zu lernen, machten wir eine Free Walking Tour. In Städten ist das immer eine hervorragende Idee, um in kurzer Zeit und auf Basis von Spenden einen guten Überblick zu bekommen. Wir haben sehr viel über die Geschichte und Gebäude der Stadt erfahren – das war aufgrund der Vergangenheit bzw. Zeit der Apartheid sehr interessant. Etwas beunruhigend war jedoch, dass unser Guide so nervös bzgl. Diebstahl war – das machte mich auch ganz nervös. Glücklicherweise ist aber nichts passiert.
Das neue Jahr 2023 haben wir sehr sportlich begonnen. Wir haben den berühmten Tafelberg bestiegen. Leider haben wir den Fehler gemacht, dass wir nachmittags hochgingen – es war daher ziemlich heiß und anstrengend aber umso schöner war es als wir oben ankamen. Noch nie in meinem Leben habe ich so einen einzigartigen Berg bestiegen. Von oben hatten wir einen traumhaften Ausblick auf die Stadt und das Meer und da der Tafelberg oben so flach ist wie ein Tisch, hat man nicht das Gefühl auf einen Gipfel zu sein weil die flache Ebene oben so groß ist.
Am 2. Jänner war Kapstadt in einem völligen Ausnahmezustand. Es wurde nämlich der Feiertag der Sklaven gefeiert und in der ganzen Stadt fand ein riesengroßer Karneval-Umzug statt. Früher hatten die Sklaven nur einmal im Jahr, am 2. Jänner frei und konnten feiern wie sie wollten und daran wird bis heute gedacht und deshalb auch gefeiert. Die Einheimischen haben entlang der Straße Pavilions aufgestellt und dort den ganzen Tag verbracht und gefeiert. Es war ein total interessantes Spektakel.
Ein paar Tage später hatten wir unseren ganz persönlichen Feiertag. Am 4. Jänner 2023 hatten wir Jahrestag unserer Weltreise. Unglaublich, dass wir nun schon ein Jahr unterwegs waren. Wir sind so froh, den Schritt gewagt zu haben und unendlich dankbar für all die Erfahrungen und Erlebnisse, die wir gemacht haben. Jeder Tag war ein kleines Abenteuer und so schön. Zur Feier des Tages waren wir in einem Café, das in einer aktiven Kirche ist. Das war ein sehr spannendes Gefühl in einer Kirche gemütlich Kaffee zu trinken.
Die Atmosphäre und Stimmung hier in Kapstadt ist generell sehr besonders – ich war noch nie in so einer verrückten Stadt. Einerseits ist alles sehr schön, sauber und gut erhalten. Es gibt viele richtig schöne Gebäude. Auf der anderen Seite ist aber alles komplett eingezäunt und abgesichert – es scheint so, als würde es viele Einbrüche geben. Die Leute sind teilweise extrem nett, freundlich und hilfsbereit. Man sieht aber auch viele Obdachlose und Arme. Der Kontrast und Unterschied ist hier wirklich extrem und habe ich so noch nirgends erlebt. Der Grund dafür ist die Zeit der Apartheid. Ich habe das Gefühl, dass diese Zeit noch immer nicht ganz geheilt wurde. Unser Guide der Free Walking Tour hat uns auch erzählt, dass die aktuelle politische Lage seit Nelson Mandela nicht mehr Präsident ist wieder sehr bedenklich ist. Das macht mich sehr traurig.
Bei unserem Ausflug zur Robben Island haben wir noch näher mit der Geschichte von Südafrika auseinander gesetzt. Diese Insel wurde früher als Gefängnis genutzt und unser Guide war damals als Sträfling in dem Gefängnis. Er hat uns genau zeigen können, in welcher Zelle er saß und was passiert ist – das von einem echten Zeitzeugen zu hören, ist unglaublich beeindruckend aber auch beängstigend. An seinen Worten spürte man, dass die Wunden noch tief sitzen und ich hatte extrem Mitleid. Die Gefangenen waren großteils aus politischen Gründen eingesperrt worden und haben keine Gewalttaten verübt. Deshalb bekamen sie auch politische Erziehung, die Zelle von Nelson Mandela haben wir auch gesehen – die war natürlich bei den Besuchern am beliebtesten.
Nach diesen Erlebnissen in Kapstadt sind unsere letzten Tage am Kontinent Afrika angebrochen – was wir da noch alles erlebt haben, kommt im nächsten Beitrag.

















